Das Glück im Mai

Ein Maibaum für die Liebste

Heute ist der 30. April und da wird getanzt. Ja, so ist das! Die Tradition will es so. Doch es gibt auch noch eine andere Tradition, nämlich die einen Maibaum aufzustellen. Ich habe zwar schon davon gehört, war aber noch nie dabei. Nicht verwunderlich, ist dies doch eine Tradition, die eher in ländlichen Gegenden und kleineren Orten zugeordnet werden kann. Wenngleich Bremen eine kleine, überschaubare Stadt ist, ist sie doch nicht ganz so klein.

Doch auch hier passieren Dinge, die man kaum für möglich hält. In den späten Nachmittagsstunden machten sich zwei junge Männer vor dem Nachbarhaus zu schaffen. Ihr Equipment bestand aus einem gut zwei Meter langen Ast, diversen Rollen Krepppapier, Kabelbindern und Klebeband. Weiße und pinkfarbener Krepppapierbänder wurden in die Äste der Birke geflochten. Während der eine noch damit beschäftigt war, bastelte der andere ein hübsches rotes Herz. Im Anschluss daran wurde darüber gefachsimpelt, wie denn nun die Birke idealerweise montiert werden sollte.

Ein geschmückter Maibaum vor dern TürEin Maibaum für die Liebste

Angelockt durch das Stimmgemurmel, dass ich durch das Fenster hören konnte, befragte ich beide direkt. Wie sich herausstellte, kamen beide aus dem Rheinland. Dort sei es üblich, dass man seiner Liebsten am 30. April einen Maibaum vor die Tür stellen würde. Dieser würde dann einen Monat lang dort stehen bleiben, um schließlich vom Vater der Angebeteten ausgelöst zu werden. Nun meinte ich ja, dass sie wohl aus einem kleineren Ort kämen. Mitnichten! Beiden wohnten wohl mal in Köln und Bonn. Dort wäre es gang und gäbe und nicht wenige junge Frauen bekämen einen solchen Baum vor die Tür gestellt. Manche sogar, ohne zu wissen, wer den der heimliche Schwärmer sei.

Weiter erzählten sie mir, dass dort sogar eine einmalige Schlaglizenz für 15 Euro erworben werden könnte, um für diesen Zweck eine ansehnliche Birke zu schlagen. Hier gäbe es das ja leider nicht – wir wollen deshalb nicht so genau wissen, wo nun jener geschmückte Birkenzweig hergenommen wurde.

Mit diesen Informationen versorgt, zog ich mich lächelnd zurück. Etwas später konnte ich dann noch beobachten, wie einer der beiden Männer auf dem Zaum balancierte, um den Birkenzweig mit Kabelbindern an einem Laternenpfahl zu befestigen. Welch Glück, dass just vor diesem Haus eine Laterne steht …

Ich wünsche allen einen beglückenden Wonnemonat!
Eure
Frau Inga

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