Tom Hillenbrand: Bittere Schokolade – Xavier Kieffers sechster Fall

Das Buch Bittere Schokolade liegt mit einer aufgerissenen Schokoladentafel auf einem Tablett

Buchbesprechung

Manchmal sind es die Kleinigkeiten, die die Erinnerung an längst vergangene Tage wieder aufleben lassen. Ein Bild, ein Lied oder eine unerwartete Begegnung genügen dann schon, um den Film des Lebens rückwärts laufen zu lassen. Da wünscht man sich zurück in die gute alte Zeit. Doch Erinnerung kann auch wie bittere Schokolade schmecken. Und genau darum geht es in Tom Hillenbrands neuestem kulinarischen Krimi, in dem wieder einmal der Luxemburger Koch Xavier Kieffer ermittelt. Wie immer, nicht ganz freiwillig …

Die Vergangenheit hat auch Xavier Kieffer eingeholt, als er zufällig seine alte Jugendliebe Ketti Faber wiedergetroffen hat. Zeit, um in Erinnerungen zu schwelgen, hatten beide nicht. Visitenkarten werden ausgetauscht sowie das Versprechen, sich zu melden. Dabei wäre es sicher auch geblieben, wäre Ketti nicht zu einer angesehenen Chocolatière avanciert.

Kurzerhand fährt Xavier deshalb nach Brüssel, wo Ketti jetzt lebt. Der Zauber vergangener Tage hat leichtes Spiel. Zumal es zwischen ihm und Valérie Gabin, seiner langjährigen Freundin, gerade nicht zum Besten gestellt ist. Dennoch gibt Xavier der Schokolade den Vorzug. Denn die Schokolade, die Ketti Faber herstellt, ist einmalig im Geschmack und von bester Qualität.

Erinnerungen wie zart schmelzende Schokolade

Doch Ketti geht es um mehr. Es geht um Fairness. So erläutert sie dem Koch, dass fast jeder Chocolatier ein Vorprodukt verarbeitet, um daraus Tafelschokolade, Pralinen und Trüffel herzustellen. Deshalb beabsichtigt sie, in Afrika Schokolade zu produzieren und zu exportieren. Tree-to-Bar-Schokolade nennt sie das. Und einen Geldgeber mit samt Produktionsanlagen in der Nähe von Brüssel gibt es auch schon.

Als Xavier Kieffer mit seinem Freund und EU-Beamten Pekka Vatanen über Kettis Pläne spricht, hält der diese schlicht für verrückt. Denn erstens fehlt in Afrika das Know-how, zweitens werden Kakaobohnen überwiegend in Kinderarbeit geerntet und drittens ist dort das politische Klima mehr als unsicher.

Doch das ist noch lange nicht alles. Denn kurz darauf wird Ketti ermordet. In ihrem letzten Atemzug murmelt sie etwas von einer Hexe. Außerdem drückt sie Xavier Kieffer, der nicht ganz zufällig in der Nähe des Tatorts ist, ein Tütchen mit einem weißen Pulver in die Hand. Er soll sich darum kümmern. Und damit beginnt ein Abenteuer, auf dass der Koch mit Sicherheit gerne verzichtet hätte …

Auf den Spuren der Hexe

Die Aufklärung aller vorhergehenden Fälle war einzig und allein Sache der Luxemburger Polizei gewesen. Nicht so bei dem Mord an Ketti Faber. Hier bekommt Xavier Kieffer es auch noch mit einem belgischen Wirtschaftfahnder zu tun. Wo war seine alte Liebe da bloß hineingeraten, fragte sich der Koch nicht zum letzten Mal.

Und dann findet Xavier Kieffer in seinem Keller auch noch Schokoladenpakete von einem belgischen Absender. Bestellt hatte er die ganz sicher nicht. Dafür war der Inhalt umso bemerkenswerter: Rohdiamanten! Diese wollen die Eigentümer natürlich wiederhaben. Aber nicht sofort. Zuerst einmal soll der Koch darauf aufpassen. Sollte er sich weigern, würde seine Pariser Freundin Valérie das zu spüren bekommen.

War er vorher nicht schon begierig darauf, herauszubekommen, wer seine ehemalige Freundin ermordet hatte, so gab es jetzt kein Halten mehr. Vermutlich würde er der Antwort ein Stück näher kommen, wenn er wüsste, wer ihm die Schokolade geschickt hatte.

Da ist etwas im Busch

Die Absender-Adresse wies auf einen Co-Working-Space in Belgien hin. Dort legte er sich auf die Lauer. Statt den vermeintlichen Absender zu enttarnen, macht er Bekanntschaft mit Peter Jones, einem Umweltaktivisten und Berater in Sachen Kakao. Dieser war zwar nicht der Absender, aber ebenfalls ein Freund von Ketti Faber.

Aber er hat auch für die Firma, die die Tree-to-Bar-Schokolade in Afrika herstellen lassen will, gearbeitet. Obwohl auf den ersten Blick alles vorbildlich aussah, kam es ihm nicht ganz koscher vor. Irgendetwas stimmte auf der Plantage nicht. Und deshalb hat auch er Angst …

Wie kaum anders zu erwarten, will sich Xavier davon mit eigenen Augen überzeugen. Doch bevor der Luxemburger Koch seine Koffer packen kann, muss er noch jemand anderen treffen. Und zwar Professor Whateley, der eine Koryphäe auf dem Gebiet des Kakaoanbaus ist.

Von diesem erfährt Xavier Kieffer dann noch so einiges über Kakaopflanzen, Anbau und Schädlinge. Auch der Professor vermutet, dass mit den Pflanzen etwas nicht stimmen kann. Da bleibt nur eins, Proben müssen her. Und wer besorgt die? Natürlich, unser wagemutiger Koch.

Fair, Unfair, bittere Schokolade

In Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, trifft er den Wirtschaftsjournalisten Masamba. Mit ihm zusammen will er Proben von jenen Kakaopflanzen besorgen, die dem Professor seltsam vorkamen.

Das, was sich so einfach anhört, ist alles andere als das. Denn erstens wird das Befreite Kongo von Rebellen regiert und zweitens wird die Plantage wie eine Festung bewacht. Dennoch, Xavier Kieffer meint, dies seiner alten Freundin Ketti Faber schuldig zu sein. Schließlich steckt auch er in der Sache mit drin. Denn sonst wäre er wohl kaum von Unbekannten bedroht worden …

Bei dem „Besuch“ der Plantage geht schief, was immer nur schiefgehen kann. Letztendlich kommt er gerade noch mit dem Leben davon. Doch damit nicht genug. Auch die Besitzer der Diamanten fordern ihr Eigentum zurück und gehen dabei nicht gerade zimperlich vor. Zu guter Letzt wird noch die Hexe enttarnt, die eine ganz andere ist, als Xavier Kieffer vermutet hatte.

Und Valérie? Die hat zwar eigene Sorgen, ist aber stinksauer auf ihren Freund, weil der sie mal wieder in Gefahr gebracht hat. Ob sich das Verhältnis der beiden einrenken lässt? Das werden wir erst bei dem nächsten Abenteuer des Luxemburger Kochs erfahren.

Mein Fazit über „Bittere Schokolade“

Bittere Schokolade von Tom Hillenbrand, BuchcoverWieder einmal hat Tom Hillenbrand in diesem Krimi ein Thema behandelt, dass ich als sehr traurig bezeichne. Denn Nahrungsmittel, bei denen Kinderarbeit eine bedeutende Rolle spielt, sollten aus den Regalen der Supermärkte verschwinden!

Der Umstand, dass Kakao von Kindersklaven geerntet wird, war mir nicht neu. Auch wusste ich bereits, dass die Kakaobauern keine Ahnung davon haben, wie das Endprodukt, nämlich Schokolade eigentlich schmeckt. Dennoch ist mir durch das vorliegende Buch wieder einmal bewusst geworden, wie wichtig es ist, darauf aufmerksam zu machen.

Die Handlung allerdings hat mich dieses Mal nicht so gepackt wie in den kulinarischen Krimis zuvor. Es mag daran gelegen haben, dass ich das Buch viel zu oft weglegen musste, bis ich es endlich beendet hatte.

Es mag auch daran liegen, dass mir die Handlung etwas verworren vorgekommen ist. Erst die Schokolade, dann die Hexe, die eigentlich keine ist, und dann auch noch die Russenmafia mit den Diamanten. Valérie musste auch noch untergebracht werden, obwohl sie in dieser Geschichte gerade mal einen Nebenschauplatz ausfüllt, der mit der Handlung fast nichts zu tun hat. Das kam mir gewollt vor, sodass ich mir gewünscht hätte, dass es weggelassen worden wäre.

Spannende Unterhaltung wünscht

Eure
Frau Inga

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P.s.: Ich versichere, dass ich diese Buchbesprechung aus eigener Motivation geschrieben habe. Ich habe das Buch in einer Buchhandlung in Bremen gekauft.

Tom Hillenbrand: Bittere Schokolade

Ein kulinarischer Krimi – Xavier Kieffer emittelt – Band 6

Roman, KiWi, 2018, 480 Seiten, ISBN: 978-3-462-05073-8

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