War das gerecht? Wahlveranstaltung der SPD in Bremen

Frau Inga meint.

Eher ungeplant war ich heute Nachmittag in der Innenstadt. Rund um den Marktplatz machte mich ein Polizeiaufgebot neugierig. Letztendlich lockte mich die weithin zu hörende Musik. Da erinnerte ich mich auch wieder an die Plakate, die die Wahlveranstaltung der SPD mit Martin Schulz ankündigten.Gut, dachte ich bei mir, bleibste einen Moment da und hörst mal, was unsere Volksvertreter zum Besten geben.

Eine Frau im Blaumann aus dem Wahlprogramm der SPD, ScreeshotNachdem lokale und überregionale Parteiprominenz wie Sieling, Weil und Heil mit den bekannten Phrasen nach mehr Gerechtigkeit den Boden für Martin Schulz bereitet haben, war es dann so weit: Martin Schulz wurde vom Moderator als zukünftiger Bundeskanzler angekündigt. Gewagt, will ich meinen. Begleitet vom 18-Uhr-Geläut des Bremer Doms und von diversen Sicherheitskräften abgeschirmt, bahnte er sich dann seinen Weg zum Rednerpult. Nachdem er minutenlang Ovationen goutiert hatte, begann er zu reden: Gerechtigkeit, Gerechtigkeit, Gerechtigkeit. Das hatte ich schon zur Genüge gehört. Warum sollte ich darüber schreiben?

Aber dann: Keiner darf 21 % weniger verdienen. Verdienen? Hallo? Jeder verdient alles Geld dieser Erde, nur bekommt es eben nicht jeder! Deutsch ist eine reiche Sprache mit vielen Feinheiten. Wie schade, dass die zu kurz gekommen sind.

Gemeinplätze und Phrasen

Was dann folgte, war eine Reihe von Themen, die auch jede andere Partei im Programm hat: Automobilindustrie, Renten, Familie, Bildung, Außenpolitik, Türkei und immer wieder das Partei-Mantra, die Gerechtigkeit. Seit dem Schröder-Effekt mag ich nicht mehr daran glauben, dass die SPD für diesen Wert einsteht und mit dem Adjektiv „sozial“ schon gar nicht.

Seite 2, der Wahlbroschüre der SPDUnter der Ungerechtigkeit, die der Schröder-Effekt, die Agenda 2010, nach sich gezogen hat, leiden so viele Menschen in diesem Land. Denn, ist eine größere Anschaffung, wie z. B. Kühlschrank, Waschmaschine oder Brille notwendig, muss die soziale Teilhabe eine Zeit lang ausgesetzt werden. Eine Misere für die Betroffenen, ein Einzelschicksal für die Regierung. Zu diesem Thema hat er Schulz jetzt leider auch wieder geschwiegen. Mit Befremden las ich dann noch in der Broschüre, „dass die Menschenwürde niemals infrage gestellt wird„. „Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher.“, wusste schon Georg Orwell

Lange vor dem Wahlkampf hatte ich Herrn Schulz diese Problematik geschildert und gefragt, warum ich ihm meine Stimme geben sollte. Eine Antwort von Herrn Schulz bekam ich nicht. Immerhin bestätigte mir ein Mitarbeiter aus der Abteilung Direktkommunikation des SPD-Parteivorstands im Willy-Brandt-Haus den Eingang meiner eMail. Außerdem schrieb dieser Mitarbeiter noch, dass er wirklich nicht wüsste, was er mir antworten kann. Ach, wie schön ist es, wenn unsere Volksverteter passende Antworten parat haben.

Das Enfant terrible nimmt auch der Wahlveranstaltung der SPD teil

„Die Partei“ aber hat bei dieser wohl inszenierten Veranstaltung für Abwechslung gesorgt. Da wurden Plakate mit Sprüchen wie „Chulz-Effekt ist defekt“ oder „Gro-Ko-Haram“ hochgezeigt. Auch Zwischenrufe, die lautstark Garantien forderten, gab es. Herr Schulz hat durchaus humorig darauf reagiert, ist aber eine Antwort schuldig geblieben.

Das Ende seiner Rede beschloss Herr Schulz mit der Feststellung, dass es am 24.9.2017 um Gerechtigkeit (natürlich!), Frieden und ein starkes Europa geht. Das sind nicht undedingt meine brennensten Fragen. Ob ich trotzdem wählen gehe? Klar! Niemand sollte darauf verzichten, ganz gleich, wie die Wahl entschieden wird. Nicht zu wählen bedeutet, eine Chance zu verschenken. Denn für das Wahlrecht haben Menschen gekämpft, sind verfolgt und bestraft worden. Es wäre eine Schande, das nicht wahrzunehmen.

Und nach der Wahl? Da denke ich mir meinen Teil und häkel Topflappen.

Eure
Frau Inga

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