Weser-Kurier Talk über Türkei und Integration am 10.9.2017

Frau Inga meint.

Der Weser-Kurier Talk hatte gelanden und viele sind in die Freie Gastro Union gekommen. Die Schwerpunktthemen Türkei und Migrationspolitik interessierten die Bürger*innen in der Hansestadt. Sie wollten wissen, was die Vertreter der Parteien zu sagen hatten.

Vertreter der Bremer Parteien auf dem PodiumZu den Gästen gehörten (auf dem Foto von links): Sarah Ryglewski (SPD), Kirsten Kappert-Gonther (Grüne), Elisabeth Motschmann (CDU), Thore Schäck (FDP), Frank Magnitz (AfD) … und links außen, deshalb nicht auf dem Foto: Doris Achelwilm (Die Linke).

Während sich die Vertreter aller Parteien im Sinne des Grundgesetzes äußersten und das Engagement der Bürger*innen lobten, sorgte Herr Magnitz als Vertreter der AFD, für Stimmung. Das unterscheidet sich in keinster Weise von dem, ich derzeit beinahe täglich in den Medien sehe höre und lese. Darüber wollte ich nicht auch noch schreiben.

Die letzte Runde gab den Anstoß.

Denn zum Schluss sollte jeder Parteivertreter ein kurzes Statement darüber abgeben, wie die eigene Partei bei der Wahl wohl abschneiden würde. Die CDU gab sich sicher, die SPD war von Hoffnung getragen. FDP, Grüne und Die Linke waren optimistisch, die dritte Kraft im Bundestag zu stellen. Und dann kam Herr Magnitz von der AFD zu Wort und mutmaßte, dass seine Partei die neue konservative Kraft in Deutschland werden würde.

Etwas nachdenklich habe ich den Weser-Kurier Talk dann verlassen. Nachdenklich deshalb, weil ich sofort an die Zeit vor achtzig Jahren denken musste. Damals wurden Menschen, die nicht ins Weltbild passten, ausgegrenzt, abgeschoben – entsorgt. Bei der Vorstellung, dass sich die Geschichte in Deutschland wiederholen könnte, gruselt es mich. Und sofort fällt mir die Todesfuge von Paul Celan ein, in der er den Tod als einen „Meister aus Deutschland“ bezeichnet. Meister in einem Fach zu sein, ist im Grunde eine Auszeichnung. Doch diese darf nie und unter keinen Umständen erneuert werden!

Da kommt was auf uns zu

Auch wenn mir bei dem Gedanken, dass die AFD eine bedeutende Rolle in der kommenden Politik spielen könnte, Angst und bange ist, fürchte ich, dass Herr Magnitz recht haben wird. Die etablierten Parteien haben sich angeglichen. Kaum eine Partei bezieht Stellung. Mein Eindruck ist, dass die Bürger*innen genug von diesem Wischiwaschi haben und sich in ihren persönlichen Belangen übergangen fühlen. Kommt aber einer daher, macht klare Ansagen und malt ein eindeutiges Feindbild, wird er gehört und scharrt Sympathisanten um sich.

Wer hier als Feindbild herhalten muss, liegt auf der Hand und war gestern erneut zu vernehmen: Menschen, die nicht in diesem Land geboren worden sind. Dazu gehören diejenigen, die vor fünfzig Jahren ins Land kamen, als Deutschland Arbeitskräfte brauchte. Aber auch die Menschen, die getrieben von dem Bedürfnis nach Sicherheit und Frieden 2015 aus ihren Heimatländern flohen. Mir fällt definitiv kein Grund ein, weshalb wir Menschen, die in größter Not waren, die Aufnahme hätten verweigern sollen. Für mich sind das keine Feinde, sondern Brüder und Schwestern, denen ich nur mit Nächstenliebe begegnen kann.

Ein Blick in die Geschichte

Wage ich einen historischen Rückblick, fallen mir all diejenigen ein, die vor gerade mal siebzig Jahren bedroht von Hunger und Kälte, ihre Heimat, das damalige Schlesien, verlassen haben. Wo wären wir heute, wenn niemand diese Menschen aufgenommen hätte? Und ich frage mich, warum dieser Teil unserer deutschen Geschichte ein blinder Fleck bei denjenigen zu sein scheint, die über die Flüchtlinge herziehen. Ich wage die Vermutung, dass auch der ein oder andere AFD-Anhänger ein Familienmitglied hat, das in Schlesien beheimatet war. – Der Name Magnitz weist immerhin auf einen Ort im heutigen Polen hin, wo man diesen Familiennamen vermehrt findet …

Zerknülltes Bonbonpapier ist alles, was vom Weser-Kurier Talk bleibtWas bleibt von diesem Weser-Kurier Talk am Sonntag übrig: leere Tische, Flaschen, Gläser und Bonbonpapier. Aber auch die feste Überzeugung, unbedingt zu wählen! Jeder Nichtwähler bestärkt die Populisten – und leider nicht Die Partei, die die Nichtwählerstimmen gerne für sich in Anspruch nehmen würden.

Eure
Frau Inga

 

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