Das große Spiel von Claude Cueni

Neben dem Buch "Das große Spiel" von Claude Cueni liegen Geldscheine und Münzen. Alles liegt auf einer alten Aktie.

Buchbesprechung – unbezahlte Werbung

Mit Geldscheinen zu bezahlen, ist für mich und die meistens anderen Menschen auf dieser Erde eine Selbstverständlichkeit. Dass das erst sei dreihundert Jahren üblich ist, weiß ich jetzt, nachdem ich Claude Cuenis Roman „Das große Spiel“ gelesen habe.

Davor war es üblich, dass eine Münze genau dem Materialwert entsprach. Deshalb wurden bei geschäftlichen Transaktionen kistenweise Münzen mit Reitern und Kutschen durch das Land geschickt. Willkommene Gelegenheiten für Strauchdiebe, Wegelagerer und plündernde Banden. Aber auch Nährboden für Geschichten à la Robin Hood und Zoro.

Wer in dieser Zeit eine Reise unternimmt, der braucht eine gehörige Portion Mut und Dreistigkeit. Denn die königlichen Grenzbeamten sind nicht minder habgierig. Sie wissen um ihre machtvolle Stellung und nutzen die schutzlose Lage der Reisenden schamlos aus. Manch einer, der als wohlhabender Mann aufbrach, erreicht sein Ziel bettelarm.

Das sollte sich im 18. Jahrhundert ändern. Es ist die Zeit der großen Könige und Adligen, die ihre Salons führen. Dort wird die neueste Mode eingeführt, Glücksspielen nachgegangen, Champagner getrunken und die Entdeckungen der Neuen Welt gefeiert.

Im Gegensatz dazu ist das gemeine Volk bettelarm. Die Bevölkerung leidet unter einer drückenden Steuerlast und  immer neu ausbrechenden Kriegen. Marodierende Banden ziehen durch das Land, brandschatzen und vergewaltigen, wann immer sich die Gelegenheit ergibt. Staatlichen Schutz gibt es kaum.

„Weder unbedeutend, noch gering.“

In diesem Milieu betritt John Law of Lauriston die Bühne des Lebens. Als Sohn eines schottischen Goldschmieds und Münzprüfers genießt er die Vorzüge des adligen Lebens. Hausangestellte sorgen für Ordnung und Bequemlichkeit. Geldsorgen gibt es nicht. John Law verbringt seine Tage mit Fechtunterricht, Kartentricks und Mathematik.

Ausgestattet mit dieser Grundbildung findet er schnell Eingang in die Gesellschaft von Edinburgh. Er ist ein amüsanter Unterhalter und geschickter Mischer beim Kartenspiel. Nächtelang spielt er, gewinnt und verliert. Dabei hat er immer, das Motto der Laws im Kopf: „Weder unbedeutend, noch gering.“ Denn beides will und wird er nicht sein.

Ein herber Verlust zwingt John Law nach London zu gehen. Dank einer Reisebekanntschaft wird er in die großen Salons eingeführt. Dort lernt er Lebensart und knüpft Kontakte. Er befindet sich in bester Gesellschaft mit Beaus, Hasardeuren und Glücksspielern. Seinen aufwendigen Lebensstil finanziert er als professioneller Kartenspieler.

Nach einem Duell, bei dem ein respektabler Beau getötet wird, wird John Law zum Tode verurteilt. Er ist 23 Jahre alt. Die Flucht nach Paris gelingt. Weitere Städte folgen: Amsterdam, Venedig und immer wieder Paris. Überall spielt er Karten. In jedem Land lernt er mehr über das Wesen des Geldes hinzu.

Die Staaten Europas sind nahe am Bankrott. Kein Land verfügt mehr über ausreichend liquide Mittel, weil alle verfügbaren Metallreserven für Kriege requiriert wurden. John Law denkt weiter: Geld selber hat keinen Wert, sondern nur die Funktion als Tauschmittel. Demnach muss es möglich sein, mit Papiergeld zu bezahlen, das einem festgelegten Tauschwert entspricht.

Und er hat die Vision, Frankreich zu einer prosperierenden Wirtschaft zu verhelfen. Jedem soll es gut gehen. Um dieses zu realisieren, will er eine staatliche Bank eröffnen. Zunächst scheitert er mit seiner Idee.

Das große Spiel beginnt

Nur wenige Monate nach dem Tod Ludwig des XIV. wird sein Traum Realität. John Law ist 45 Jahre alt, als die Banque Générale erstmalig die Türen öffnet. Es ist eine Privatbank, wie es in Paris schon einige gibt. Die Innovation jedoch liegt darin, dass John Law Banknoten ausgibt und gegen Münzen eintauscht. Und zwar zu einem Kurs von 2:1. Der Wert einer Banknote soll dabei nie an Wert verlieren.

Jedwede Warnung, dass eine staatliche Bank, sich nicht mit der Monarchie vertragen würde, schlägt John Law in den Wind. Und der Erfolg gibt ihm recht. Die Wirtschaft erholt sich. Die Gassen von Paris, die des Nachts Schlachtfelder der Anarchie gewesen waren, sind wieder sicher. Dennoch lauern die Widersacher darauf, John Law zu ruinieren.

Es sind die alteingesessenen Bankiers, die um ihre Pfründe fürchten. Diese setzen alles in Bewegung, den Beweis anzutreten, dass das System Law nicht funktionieren wird. Recht hätten sie gehabt, wäre der Regent, der Duc d’Orleans nicht auf John Laws Seite.

Damit ist der steile Aufstieg des John Law nicht mehr aufzuhalten. Ein Jahr später wird er Direktor der Mississippi-Kompagnie. Zwei Jahre nach Eröffnung der Banque Générale wird daraus die Banque Royale, eine staatliche Bank.

Das große Spiel auf dem Zenit

Die Wirtschaft boomt. Die Banque Royale eröffnet im ganzen Land Zweigstellen. Ausländische Handwerker kommen nach Frankreich, um Betriebe zu gründen. Die Drucker arbeiten Tag und Nacht, um den Bedarf an Geldscheinen zu befriedigen.

John Law ist ein Star und immens reich. Es ist sein Spiel, das große Spiel. Und er spielt es virtuos. Er vereint alle Handelsgesellschaften zu einer einzigen und wird deren Direktor. Er gibt Aktien aus, deren Kurs so günstig ist, dass sie sich jede Magd und jeder Kutscher leisten kann.

Aus ganz Europa strömen die Menschen nach Paris, um Aktien zu kaufen. Tumultartige Szenen spielen sich dabei ab. Mit jeder neuen Aktienemission steigen die Kurse ins Unermessliche. Gewinne von mehreren Hundert Prozent innerhalb weniger Wochen sind normal. Aktionäre werden zu Millionären.

John Law gewährt dem französischen Staat Kredit, sodass damit alle Staatsschulden auf einen Streich getilgt werden können. Damit ist er de facto der mächtigste Mann in ganz Frankreich. Er konvertiert zum Katholizismus, wird französischer Staatsbürger und Finanzminister. Mit 49 Jahren ist er auf dem Höhepunkt seiner Karriere.

So lange es gedauert hat, eine große Vision in die Tat umzusetzen, so schnell ist auch der Abstieg. Vier Jahre nach Einführung der Banknoten, druckt der Regent heimlich Geld für den Eigenbedarf. Damit bekommt das System von John Law eine gewaltige Schieflage. Alle Versuche, das vorhersehbare Finanzdesaster aufzuhalten, scheitern. Die Spekulationsblase platzt. John Laws Vermögen wird eingezogen. Er wird des Landes verwiesen und dabei Opfer von Grenzsoldaten.

Bettelarm erreicht er Venedig. Dort verdient er seinen Lebensunterhalt wieder mit Glücksspielen. Doch den Ruhm vergangener Tage erreicht er nicht mehr. Immer wieder schreibt er an dem Regenten und bittet darum, nach Paris zurückkehren zu dürfen. Eine Antwort bekommt er nie.

John Law stirbt im Alter von 58 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung.

Mein Fazit über „Das große Spiel“

Das, was sich so nüchtern liest, wird von Claude Cueni zu einem unterhaltsamen Roman verarbeitet. Dabei kommen weder Spannung noch große Gefühle zu kurz. Denn John Law lebt mit der verheirateten Katherine Seigneur zusammen. Beide sind in einer tiefen und innigen Liebe miteinander verbunden, aus der zwei Kinder hervorgehen.

Als Leserin habe ich alle Höhen und Tiefen von John Law erlebt und mitgefühlt. Die Erzählung ist so plastisch angelegt, dass es mir leicht gefallen ist, in die Geschichte einzutauchen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Claude Cueni hier ein illustres Bild der Gesellschaft des beginnenden 18. Jahrhunderts malt.

Darüber hinaus war dieser historische Roman ein gutes Lehrstück, wie Finanzmärkte funktionieren. Dieses komplexe Thema ist dabei so einfach und gut verständlich aufbereitet, dass es leicht fällt, den vielschichtigen Gedankengängen John Laws zu folgen.

Einziger Kritikpunkt an diesem Roman ist, dass der Autor den Protagonisten Zukunftsvisionen in den Mund legt, die mir für das 18. Jahrhundert all zu visionär erscheinen. Beispielsweise äußert sich ein Arzt dahingehend, dass wir eines Tages fliegen und tauchen werden (S. 17). Ob die Menschen vor mehr als dreihundert Jahren solche Überlegungen angestellt haben mögen, kann ich nicht beurteilen. Wenngleich ich manche Aussagen amüsant fand, ist es mir negativ aufgefallen.

Alles in allem hat mir das Buch so gut gefallen, dass ich es innerhalb von drei Jahren zweimal gelesen habe. Und nur deshalb habe ich diese Rezension überhaupt geschrieben.

Die Tatsachen hinter dem Roman

Nachdem ich das Buch zu Ende gelesen hatte, habe ich bei Wikipedia nachgesehen. Dabei konnte ich feststellen, dass sich dieser Roman sehr genau an den geschichtlichen Fakten orientiert. Auch die im Roman erwähnten Persönlichkeiten haben gelebt und die beschriebenen Funktionen ausgeübt.

Dass John Law die Banknoten eingeführt hat, stimmt nicht ganz. Bereits 100 Jahre zuvor, wurden in Amsterdam Banknoten ausgegeben. Auch in England gab es bereits 1694 die Bank of England, die Banknoten in Umlauf gebracht hat.

Interessant fand ich die Tatsache, dass das System von John Law erst im 20. Jahrhundert von den Staaten als geeignetes Konzept anerkannt wurde. Das System Law sah nämlich vor, dass nicht nur Münzen und Edelmetalle, sondern auch Grundbesitz zur Deckung aller im Umlauf befindlichen Banknoten herangezogen wurde.

Auf der Seite von Claude Cueni habe ich dann noch erfahren, dass „Das große Spiel“ in zwölf Sprachen übersetzt wurde, darunter auch in Koreanisch und Chinesisch. Es ist gedruckt als auch digital erhältlich.

„Das große Spiel“ ist der zweite Teil der Trilogie „Götter, Geld und Liebe“. „Cäsars Druide“ und „Gehet hin und tötet“ heißen die anderen beiden Teile.

Gute Unterhaltung beim Lesen dieses spannenden Geschichtsbuchs wünscht

Eure
Frau Inga

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P.s.: Ich versichere, dass ich diese Buchbesprechung aus eigener Motivation geschrieben habe. Ich habe das Buch bei Tauschticket [Affiliate] getauscht.

Das große Spiel von Claude Cueni, BuchcoverClaude Cueni: Das große Spiel

Heyne, 448 Seiten, ISBN: 978-3-453-43277-2
erschienen am 2. Januar 2008

Bildnachweis

Titelbildes: © Inga Landwehr
Buchcover: © Heyne

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