Paris, mon amour. Erinnerung an eine unvergessliche Woche.

Notre Dame in Paris am Ufer der Seine

„Notre Dame in Paris brennt“. Das sagte gestern Abend ein Bekannter zu mir. „Quatsch,“, sagte ich, „du machst Scherze.“ Nein, ein Scherz war das nicht. In einem Onlinevideo habe ich sehen können, wie sich die Flammen durch das Dach dieser einmaligen Kirche fraßen. Es war unglaublich!

Ich sah, wie der kleine Turm von Flammen aufgefressen wurde und schließlich in das Kirchenschiff stürzte. Oh, mein Gott, quelle Malheur für die Stadt der Liebe.

Heute Morgen vermeldete die Presse, dass die Flammen gelöscht seien. Die Kirche ist nicht vollständig zerstört worden. Die Sorge, dass der Brand erneut ausbrechen könnte, bleibt bestehen. Denn es könnten noch Glutnester vorhanden sein.

Ein Wiederaufbau ist geplant. Viele Jahrzehnte werden vergehen, bis das einst so prachtvolle Wahrzeichen von Paris wieder im neuen Glanz erstrahlt. Ich schätze, dass ich dies nicht mehr erleben werde.

Vor mehr als dreißig Jahren war ich gerne und oft in Paris. Doch damals interessierten mich die touristischen Sehenswürdigkeiten nicht wirklich. Ich wollte anders reisen, das urtümliche Paris entdecken. Die Glanzseiten, so meinte ich damals, könnte ich auch in einem Bildband ansehen.

Und so war die einzige nennenswerte touristische Sehenswürdigkeit, die ich mir ansah, der Eiffelturm. Von dort habe ich sicher auch Notre Dame gesehen, stehen doch beide Bauwerke auf einer Achse und in Sichtweite von einander entfernt.

Temps passés

Notre Dame brennt und es rührt mich zu tränen. Denn ich habe so viele schöne Erinnerungen an die Stadt der Liebe, die mich mit einem einmaligen Flair sofort in ihren Bann gezogen hat. Ein Teil meines Herzens schlägt noch heute für diese Stadt.

Damals war ich gerade mal 22 Jahre alt und etwas planlos, was ich an meinem Geburtstag tun sollte. Zur Auswahl standen eine Fahrradtour durch Schleswig-Holstein oder irgendwohin fahren. Mein Mitbewohner Andrej schlug Paris vor. Dort würde er Leute kennen. Da könnte ich übernachten.

Der Nachtzug brachte mich bis zum Gare du Nord. Und ich hatte keine Ahnung, wie es weitergehen würde. Ich hatte nur eine Telefonnummer von François, bei dem ich übernachten sollte. Ich rief dort an und hatte Monika am Apparat. Ihr Mann Darek würde mich abholen, versprach sie.

Eine unvergessliche Woche in Paris

Darek holte mich ab, nahm mein Gepäck und ging mit mir zur Metro. Gemeinsam fuhren wir zu François. Da saß ich dann mit François, Christian und Darek am Tisch und frühstückte. Die konnten mit mir nichts anfangen und ich mit denen nicht. Denn jener François sah so ganz anders aus als auf dem Foto, das mir Andrej gezeigt hatte.

Auch die Kommunikation gestaltete sich etwas schwierig. Mein Französich war wie weggeblasen, sodass ich nur noch Phrasen herausbekam. „Dans mon guide, j’ai lu …“ Na gut, sie fanden mich schließlich doch sympathisch. Sicher auch, weil ich immer gelacht habe.

Darek und Christian absolvierten mit mir das Touristenprogramm. Wir fuhren mit dem Bus quer durch Paris. Einer von beiden trug immer mein Gepäck. Irgendwo aßen wir etwas. Christian bezahlte.

Abends waren wir auf einer Party. Dort traf ich jenen François vom Frühstück wieder. Irgendwann verließen wir die Party und fuhren zu Christian. Dort sollte ich übernachten. Zugegeben, da wurde es mir doch etwas mulmig. Auch dass ich im Zimmer von Christians Schwester schlafen würde, änderte nichts daran. An dieser Stelle will ich noch verraten, dass meine Befürchtungen vollkommen unangebracht waren.

Viele Menschen auf einem Platz. Im Vordergrund Inga, lachend und ein Bein nach hinten angewinkelt.

Enfin arrivée!

Am dritten Tag lernte ich endlich den François vom Foto kennen und damit auch die Wohnung, in der ich mich für ein paar Tage einrichten konnte. Dabei handelte es sich um eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung in einem Vorort. In einem Zimmer wohnten Monika und Darek. François im anderen. François trat mir das Bett ab und schlief auf dem Fußboden.

Alles in allem war die Gastfreundschaft bemerkenswert. Ich wurde immer eingeladen und habe nicht einen Centime in die Haushaltskasse legen müssen. Den ein oder anderen Einkauf bezahlte ich dann aber doch. Erwartet wurde es nicht.

Abenteuerlustig wie ich war, wollte ich mit Stadtplan und Reiseführer ausgestattet Paris erkunden. Daraus wurde nichts. Es verging kein Tag, an dem ich keine Begleitung hatte. Irgendjemand war immer an meiner Seite. War dem einmal nicht so, gab es in Paris ein Rendezvous.

An einem Nachmittag traf ich François, nachdem dieser Feierabend gemacht hatte. Wir waren in der Gegend von „Les Halles“ unterwegs. Dort besuchten wir eine Kirche. Auf meine Frage, welche Kirche das wohl sei, meinte François, dass das Notre Dame sei. Es war St. Eustache. Mein Reiseführer wusste es besser.

Christian und Inga auf der Aussichtsplattform des Eiffeltrums. Inga zeigt in die Kamera.

Ein einmaliger Geburtstag

Und dann kam mein Geburtstag. Hatte ich auch sonst Begleitung, war ich an diesem Tag allein. François, Monika und Darek waren schon lange unterwegs, als ich aufstand. In der Küche lag ein Zettel, dass Christian mich anrufen würde. Telefonisch wurde mir eine Adresse nebst Türcode mitgeteilt und brach ich auf.

Ich bummelte den Tag durch Paris, ließ es mir gut gehen und fand mich am frühen Abend an besagter Adresse bei Jean-Louis ein. Dort war gerade eine Solidarność-Sitzung beendet worden. Als ich dem Raum betrat, wurde mir ein Ständchen gebracht und dann führen wir zusammen zu Goldenberg ins Marais.

Christian wählte aus. Sieben Gänge. Zu jedem Gang einen anderen Wein. Später rief er die beiden Musiker, die im Restaurant mit Akkordeon und Geige von Tisch zu Tisch gingen zu uns. Nachdem Christian ein 5-Złotych-Stück aus seinem Portemonnaie genommen hatte, legte er dieses auf den Tisch. Das sollten beide Musiker bekommen, wenn sie für mich spielen würden. Sie spielten, bis die Geige weinte.

Eine kleine Nachtmusik in Paris

Nach und nach verkleinerte sich unsere Gruppe bis nur noch Christian, François und ich dort waren. Zu Fuß gingen wir zum Gare du Nord. Es war mitten in der Nacht. Der letzte Zug würde bald fahren. Doch Christian wollte unbedingt „Eine Kleine Nachtmusik“ hören.

In einer Bierkneipe gegenüber des Bahnhofs würde ein Freund als Pianist arbeiten. Dort wollten wir hingehen. Der Freund arbeitete nicht. Das Bier schmeckte troztdem. Um den letzten Zug nicht zu verpassen, drängte ich zum Aufbruch.

Die beiden widersprachen. Später würde ein weiterer Zug fahren. Denkste! Bis St. Denis konnten wir fahren. Danach ging es zu Fuß weiter. Morgens um vier kamen wir in der Wohnung von François an. Gut gelaunt und müde.

Dieser Geburtstag ist in meinem Gedanken immer mit Paris verknüpft. Und deshalb macht es mich so unendlich traurig, dass Notre Dame heute durch einen Brand schwer beschädigt wurde.

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Eure
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Hinter den Kulissen

Ich habe damals nur in schwarz-weiß fotografiert. Die hier gezeigten Bilder habe ich aus meinem Fotoalbum abfotografiert.

Das Foto von Notre Dame habe ich von Pixabay. Das Copyright liegt bei waldomiguez.

 

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