Den Hambacher Forst erhalten – Hambi bleibt!

Schlehe am Zweig - Hambacher Forst bleibt!

Frau Inga meint.

Gerne würde ich jetzt schreiben, dass der Hambacher Forst in aller Munde ist. Auch wenn mich dieses Thema in den letzten beiden Wochen intensiv beschäftigt hat, ist es nicht so. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass er bald in aller Lampen sein wird, wenn die Rodung nicht verhindert wird. Doch von Anfang an.

Es war einmal ein Wald …

Der Hambacher Forst hatte einmal eine Größe von 4.000 Hektar. Das entspricht ungefähr 5.600 Fußballfeldern! In den 1970er Jahren wurde der Wald an die RWE (ehemals Rheinbraun AG) verkauft, um die im Waldgebiet gefundene Braunkohle im Tagebau zu fördern. Damit sollte ein Teil der Energieversorgung in Deutschland sicher gestellt werden.

Der Hambacher Wald wurde in den letzten vierzig Jahren stückweise gerodet. Luftaufnahmen, die in den Medien zu sehen sind, zeigen eine total zerstörte Landschaft. Kaum vorstellbar, dass dort jemals wieder etwas wachsen kann.

Heute sind noch 200 Hektar übrig.

Um die weitere Abholzung zu verhindern, und für den Kohleausstieg zu protestieren, wurde der Hambacher Forst vor sechs Jahren von Aktivisten besetzt. Seit 2013 leben Aktivisten in Baumhäusern mitten im Hambacher Forst.

Da der Brandschutz fehlte, sollten die Baumhäuser Mitte September geräumt werden. Und damit entzündete sich ein erbitterter Kampf um den Erhalt des Hambacher Forstes.

Ende eines Kulturgutes

Der Hambacher Forst zeugt von 12.000 Jahren Geschichte. 12 Tausend Jahre. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen:

  • Die Bibel gibt es seit 2.000 Jahren.
  • Die Zeit der Alten Griechen war vor 3.000 Jahren.
  • Vor 5.000 Jahren war Ägypten eine Hochkultur.
  • Vor 5.500 Jahren wurde das erste Wagenrad in Mesopotamien erfunden.
  • Die Hügelgräber in Norddeutschland sind 8.000 Jahre alt.

Seit Jahrtausenden ist hier eine Kulturlandschaft gewachsen, die ihresgleichen nirgendwo mehr finden wird. In diesem Wald leben 140 Tierarten, die von Aussterben bedroht sind.

Damit ist jetzt Schluss. Ab 1. Oktober soll das letzte Waldstück gerodet werden.

Täglich wird ein Teil des Waldes geräumt. Täglich werde neue Barrikaden aufgebaut. Es ist ein erbitterter Kampf, zwischen Bürgern und Exekutive. In Livestreams konnte ich beobachten, dass die Presse behindert wurde, friedliche Demonstranten geschubst und geschlagen wurden. Bis heute vermisse ich, dass nichts zur Deeskalation unternommen wird.

Für mich sieht es so aus, als wäre der Staat nur dafür da, den Besitz eines Großunternehmens zu schützen. Dafür werden Hunderte von Polizisten eingesetzt – und verheizt. Denn diese sind in 12-Stunden-Schichten im Dauereinsatz.

Leider fällt mir kein einziger Politiker, der die Seite der Wähler vertreten würde. Okay, das stimmt nicht so ganz. Frau Wagenknecht von den Linken hat dazu aufgerufen, „sich auf den Weg zu machen um den Hambacher Forst für uns alle zu bewahren.“1 Das ist zwei Wochen her. Zwei Wochen, in denen RWE alles unternommen hat, Fakten zu schaffen.

Sicher, Vertreter aller Parteien sind in der Kohlekommission, doch vor Ort vermisse ich die Politprominenz, die sich für die Interessen der Bürger in diesem Land starkmacht. Eine einmalige Äußerung ist da definitiv zu wenig. Immerhin sind 70 % der Bevölkerung gegen die Rodung des Hambacher Forstes!

Eicheln am Zweig - Hambi bleibt

Im Hambacher Forst werden Fakten geschaffen

Um die Räumung voranzutreiben, werden stellenweise kleinere Bäume gerodet, Wege angelegt und planiert. Durch den Livestream, den ich täglich verfolge, erscheint mir der Wald wie ein lückenhaftes Gebiss … „Schau mal, Mutti, er hat gar nicht gebohrt … aber vier Zähne gezogen.“

Die Frage, weshalb noch vor dem offiziellen Rodungstermin Fakten geschaffen werden, stelle ich mir bereits seit Tagen. Ich bin davon überzeugt, dass die Kohlekommission den Kohleausstieg in den nächsten Wochen beschließen wird. Damit wären auch weitere Rodungen im Hambacher Forst hinfällig. Das wäre das Aus für den Kohleabbau in dieser Region. Die Umweltverbände würde es freuen und die Aktionäre der RWE verärgern. Da nun mal immer noch Geld die Welt regiert, liegt hier der Hase im Pfeffer. Deshalb schnell ein paar „Bäumchen“ fällen, Lücken reißen und so viel schaden anrichten, dass sich der Erhalt des Hambacher Forstes nicht mehr lohnt. Die Aktionäre wären erst einmal befriedigt. Dann kann weitergemacht werden, bis der Ofen aus ist.

Aus der Geschichte nichts gelernt

Zugegeben, von dem, was ich in der Schule gelernt habe, ist nicht all zu viel hängen geblieben. An den Geschichtsunterricht erinnere ich mich allerdings noch gut. Das muss wohl an dem Lehrer gelegen haben, der historische Gegebenheiten sehr plastisch schildern konnte. Als die Antike behandelt wurde, erzählte er, dass viele Bäume für den Schiffbau gefällt wurden. Durch Erosion seien die Felsen der Halbinsel Attikas kahl geblieben. In seinem Kritias-Dialog findet Platon dafür folgende Worte2:

„Aus den Zeiten Atlantis’ ist jedoch durch die Entwaldung und die nachfolgende Erosion nur das Knochengerüst eines erkrankten Körpers übrig geblieben, nachdem ringsum fortgeflossen ist, was vom Boden fett und weich war.“

Seit dem sind ein paar Tausend Jahre an der Menschheit vorbeigezogen. Das Verhältnis zur Natur hat sich entschieden verändert. Jeder größere Baum steht unter Naturschutz. Nachhaltige Forstwirtschaft3 ist gesetzlich verankert:

§ 1 a (Fn 32), LFoG
Nachhaltige Forstwirtschaft

Kennzeichen nachhaltiger Forstwirtschaft ist, dass die Betreuung von Waldflächen und ihre Nutzung in einer Art und Weise erfolgt, dass die biologische Vielfalt, die Produktivität, die Verjüngungsfähigkeit, die Vitalität und die Fähigkeit, gegenwärtig und in Zukunft wichtige ökologische, wirtschaftliche und soziale Funktionen zu erfüllen, erhalten bleibt und anderen Ökosystemen kein Schaden zugefügt wird.

Dies sollte auch für RWE gelten! Denn eine Rodung des Hambacher Forstes ist nicht mehr mit einer notwendigen Energieversorgung zu argumentieren.

Nachhaltig ist es, jeden Wald, jede Art zu erhalten. Weltweit werden Wälder für die Profitgier von Unternehmen und Aktionäre gerodet: im Hambacher Forst, auf Sumatra, im Amazonasgebiet, in China und, und, und.

Wenn das nicht aufhört, wird von der Erde nur noch ein Knochengerüst übrig bleiben. Was hier geschieht, nenne ich mutwillige Zerstörung.

Hambi bleibt!

Trotz allem kämpfen die Aktivisten Tag und Nacht für den Erhalt des Hambacher Forstes. Sie sind Repressalien ausgesetzt. Wie ich hörte, wird nachts der Ritt der Walküre gespielt, um die Aktivisten am Schlafen zu hindern. Auch sollen Taschenkontrollen durchgeführt worden sein, bei den Kletterausrüstungen, Schlafsäcke und Isomatten konfisziert wurden.

Sie nehmen alles auf sich, um den Wald zu retten. Dabei riskieren sie auch ihr Leben. Drei Aktivisten sind dabei schon aus Bäumen gestürzt, einer von ihnen ist verstorben … Sie tun das für dich, für mich, für jeden Erdenbewohner, für das Klima, für die Tiere, die in diesem Wald leben. Damit unsere Nachfahren noch genauso in diesem Wald spazieren gehen können wie es unsere Altvorderen konnten.

Jeden Sonntag finden friedliche Waldspaziergänge im Hambacher Forst statt. Am 6. Oktober gibt es dort eine große Kundgebung. Wer so wie ich, weder Zeit noch Mittel hat, daran teilzunehmen, kann

Ich danke euch, dass ihr meinen Beitrag gelesen habt.

Eure
Frau Inga

Zwei Bäume auf einer Wiese - Hambi bleibt

Weitere Informationen findet ihr:

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Quellen:

  1. Focus.de: Aufruf von Sahra Wagenknecht
  2. Wald in Griechenland
  3. Landesforstgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen – LFoG

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