ZERO – Sie wissen, was du tust von Marc Elsberg

 Marc Elsberg: ZERO - Sie wissen, was du tust, BuchcoverBuchbesprechung

Das, was sich in George Orwells „1984“ vor siebzig Jahren wie eine Fiktion las, ist in Marc Elsbergs Roman „ZERO – Sie wissen, was du tust“ Realität geworden. Die Hauptfigur, eine Journalistin namens Cynthia Bonsant, fand das alles so unglaublich, dass sie sich selber immer wieder in Paranoia willkommen hieß. Denn Cynthia ist im Gegensatz zu ihren Kollegen eine vom alten Schlag. Sie schreibt ihre Notizen in eine Kladde und nutzt die digitalen Medien nur zur Recherche. In ihrem Privatleben spielen diese jedoch eine untergeordnete Rolle.

Doch dann greift eine Drohne den Präsidenten der Vereinigten Staaten an. Du meine Güte, eine Drohne, wie absurd, dachte ich beim Lesen. Doch es sollte noch fantastischer kommen. Ein Freund ihrer Tochter Vi enttarnt mittels Datenbrille einen gesuchten Straftäter und wird bei der Verfolgungsjagd erschossen. Und so geht es weiter. Jeder Dritte trägt eine solche Brille, die auf Knopfdruck alle verfügbaren Informationen über die betrachtete Person anzeigt. Ich denke, dass ich einen Knall kriegen würde, wenn ich gleichzeitig meine Umgebung wahrnehmen und geschriebene Informationen verarbeiten müsste. Zugleich packt mich aber auch das Entsetzen, was jeder x-beliebige auf diesem Weg über eine andere Person erfahren könnte. Wo bleibt denn da die Freude, einen anderen Menschen kennenzulernen und zu entdecken, frage ich mich. Die Begegnung zwischen Menschen ist doch mehr aus als nur das Datenprofil.

ZERO – Sie wissen, was du tust

Doch ein kleines gallisches Dorf leistet Widerstand. Nee, Moment mal, jetzt bin ich im falschen Buch. Obwohl das gar nicht so weit hergeholt ist. Die Hauptfiguren in Marc Elsbergs Roman sind begeisterte Mitglieder bei Freemee, einer Internetcommunity, die Daten sammelt, interpretiert und daraus Ratschläge für ein besseres Leben generiert. Und das mit Erfolg. Die User, die an diesem Programm teilnehmen ziehen einen spürbaren, positiven Nutzen daraus und Freemee gewinnt zunehmend an Macht. Alles könnte so weitergehen, gäbe es da nicht diesen einen unbeugsamen „Gallier“, genannt ZERO.

ZERO warnt vor den Datensammlern und macht mit spektakulären Aktionen darauf aufmerksam. Er spricht von Datenkraken und wird nicht müde, immer wieder vor diesen zu warnen. Vor dem Hintergrund des Datenskandals bei Facebook, ist es schon fast prophetisch, wenn Zero sagt, dass es uns einen Scheißdreck kümmert, „was die über dich wissen oder was sie mit diesem Wissen tun! … Solange die Internetkonzerne dir irgendwelche lächerlichen Vorteile bieten, bist du dabei. Hauptsache, du hast es bequem! Wie lange wollt ihr euch das noch gefallen lassen? Wehrt euch! Mich erwischt ihr nicht, ihr Datenoligarchen! Meine Seele steht euch nicht zum Verkauf! Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Datenkranken zerschlagen gehören.“

Zero, aufgeschlagen auf Seite 227, darauf ein SmartphoneIch bin mir dessen, was ZERO hier den Lesern vorwirft, schon lange bewusst. Dennoch war es spannend, diese Zusammenhänge eingebettet in einen Krimi präsentiert zu bekommen. Es ging sogar so weit, dass die Geschichte meine Wahrnehmung verändert hat. Plötzlich kam mir jeder Brillenträger suspekt vor. Erst nachdem ich mir im Internet Datenbrillen angesehen habe, war mir klar, dass ich zusammen mit Cynthia in Paranoia war.

Auch wenn die Thematik des Datensammelns und der Umgang damit komplex sind, so möchte ich diesen Roman doch jedem empfehlen, der sich für dieses Thema interessiert, bisher aber noch keinen Zugang dazu gefunden hat. Ein gutes Buch, um auch den Umgang mit den eigenen Daten kritischer zu betrachten, wenn man das nicht ohnehin schon tut.

Viel Spannung beim Lesen wünscht
Eure
Frau Inga

P.s.: Ich versichere, dass ich diese Buchbesprechung aus eigener Motivation geschrieben habe. Ich habe das Buch bei Tauschticket [Affliate] getauscht.

Marc Elsberg: ZERO – Sie wissen, was du tust

Roman, Blanvalet, 2014, 496 Seiten, ISBN-13: 978-3-7341-0093-2

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