Weihnachten, das Fest der Liebe?

Tannenzweig mit Engel und Lichtpunken

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Weil an diesem Tag Jesus Christus geboren wurde. So lehrt es die Bibel. Ob das auch stimmt? Wir wissen es nicht. Wir glauben einfach daran. Wohltuend in einer Zeit, in der alles überprüfbar sein und bewiesen werden muss. Doch wie wird die Botschaft der Nächstenliebe eigentlich praktiziert?

Welch gnadenbringende Weihnachtszeit

In unserer Gesellschaft versammelt sich die Familie in einem Wohnzimmer und wartet auf die Bescherung. Weil die Heiligen Drei Könige dem Jesuskind ja auch Gold, Weihrauch und Myrrhe dargebracht haben, häufen wir einen Berg an Geschenken unter einem Baum an. Unter großen Ahs und Ohs werden dann Pullover, Krawatten und technische Geräte ausgepackt. Und damit das möglich ist, hetzen unterbezahlte Paketzusteller von Haus zu Haus. Und wehe, ein Paket kommt nicht rechtzeitig an. Dann wird der Zusteller angepampt und obendrein wird in den sozialen Netzwerken über den schlechten Service hergezogen. Und wofür das alles? Dafür, dass die Geschenke nach Weihnachten umgetauscht werden.

Hat der Paketzusteller sein Fett weg, werden die Geschenke kritisch betrachtet. Es könnte ja sein, dass da jemand bevorzugt wurde. Dieser stille Groll steigert sich zu einem inneren Crescendo, das schließlich schwelende Familienkonflikte neu entfacht. Da fühlt sich der eine schon lange benachteiligt. In Euro und Cent berechnet, versteht sich. Und dann geht es so richtig zur Sache. Von Bitterkeit triefende Reden werden geführt, darauf bedacht bestmöglichst zu verletzen. Irgendwann ist dann alles gesagt, was es zu sagen gab. Jedoch ohne wirklich das zu sagen, was gesagt werden sollte. Dann geht jeder wieder seiner Wege, darauf hoffend, dass das nächste Weihnachtsfest die wahre Weihnachtsbotschaft beinhalten und ein Fest der Liebe werden möge.

Tannenbaumfiguren in einer Holzkiste

Wir sind entre nous

Und dann gibt es noch die, die mit diesem ganzen Zank und Streit unter dem familiären Weihnachtsbaum nichts am Hut haben. Die engagieren sich sozial. Sie helfen in einer Suppenküche. Weil niemand am Heiligen Abend alleine, hungern oder frieren sein soll. Schön und gut. Doch was ist mit den verbleibenden 364 Tagen?  „Einmal ist kein Mal“, wie ein Sprichwort so treffend sagt.

Doch es gibt nicht nur die, die am Rande unserer Gesellschaft existieren und viel zu oft übersehen werden. Da gibt es auch noch den Rentner, dessen Frau kürzlich gestorben ist. Jetzt sitzt er alleine da und vergeht vor Einsamkeit, weihnachweil alle en famille sind, er aber keine mehr hat. Eine Einladung von den Nachbarn wäre das größte Geschenk für ihn. Vergeblich wird er darauf hoffen. Dafür aber still und leise mit dem Foto seiner verstorbenen Frau sprechen.

Macht hoch die Tür‘, die Tor‘ macht weit

Auch die kirchlichen Einrichtungen öffnen an Heiligen Abend die Türen. Niemand soll da alleine sein. Aber ist das denn alles? Nicht alleine sein. Entsteht da tatsächliche Nähe? Eine Nähe, die viele Menschen an jedem Tag, an Weihnachten aber besonders vermissen. Ich meine, nein. Wie soll das auch gehen, wenn in einem dürftig geschmückten Raum, viele Menschen, die sich zuvor noch nie gesehen haben, nebeneinandersitzen, Lieder singen und Kaffee trinken? Nach zwei, drei Stunden kehrt jeder wieder hinter seine Mauern zurück – und manch einer hatte sie gar nicht verlassen.

Doch Nächstenliebe existiert in unserer Wohlstandsgesellschaft nur, wenn die Distanz groß genug ist. Den Obdachlosen kann man getrost übersehen, der verwitwete Rentner wohnt jeden Tag nebenan. Ich erlebe diese Gesellschaft besonders in den Weihnachtstagen als kaltherzig, weil das Nebeneinanderher so offensichtlich zutage tritt. Das macht mich frösteln und traurig zugleich.

Wenn diese Aktionen des Miteinanders den Geist von Weihnachten ausmachen, sollte jeden Tag Weihnachten sein. Dann wäre jeder ein Stück glücklicher und zufriedener. Vor allem wären wir dann das, was man Gemeinschaft nennt.

Strohstern und Teelicht

Und ich?

Geschenke gibt es schon seit Jahren nicht mehr. Ich brauche nichts und habe von allem genug. Für andere gibt es ein kleines Geschenk aus meiner Küche. Darüber freut sich jeder und der Umtausch ist ausgeschlossen.

Allerdings mache ich mir selber immer ein kleines Geschenk. Irgendetwas, an dem ich mich einfach nur freuen kann und nicht dringend gebraucht wird. In diesem Jahr kam es anders. Ich brauchte eine neue beheizbare Fußmatte, weil es erstens in meiner Küche fußkalt ist und zweitens die alte Matte vor ein paar Tagen kaputt gegangen ist. Bei einem Privatanbieter fand ich eine gebrauchte. Der Verkäufer hat die Matte sofort abgeschickt und tatsächlich habe ich diese gleich am nächsten Tag von einem freundlichen Paketzusteller ausgehändigt bekommen. Gerechnet habe ich damit überhaupt nicht. Und somit wurde aus einer notwendigen Anschaffung mein größtes Geschenk: Mit warmen Füßen am Tisch sitzen und gut essen.

Ansonsten ziehe ich mich zurück, um mich auszukurieren. Trotzdem freue ich mich auf das alljährliche Wiedersehen mit den Helden meiner Kindheit. Dazu eine Tasse Tee, etwas Weihnachtsstollen und eine flinke Häkelnadel in der Hand. So könnte es gehen.

Ein frohes Fest der Liebe wünscht euch

Eure
Frau Inga

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